Seit 2021 zahlen rund 90 % aller Steuerzahler keinen Solidaritätszuschlag mehr. Aber wann genau greift der Soli noch – und für wen? Und was hat das mit der Steuerklasse zu tun? Dieser Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen kompakt und mit Rechenbeispielen.

Das Wichtigste auf einen Blick Seit 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag für ca. 90 % aller Steuerzahler. Er gilt nur noch für Bezieher sehr hoher Einkommen. Die Freigrenze 2026: Lohnsteuer unter 18.130 € (Ledige) bzw. 36.260 € (Zusammenveranlagung) – kein Soli. Darüber hinaus gibt es eine Milderungszone.

Was ist der Solidaritätszuschlag?

Der Solidaritätszuschlag (kurz: Soli) wurde 1991 als Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer eingeführt, um die Kosten der deutschen Wiedervereinigung zu finanzieren. Er beträgt 5,5 % der festgesetzten Lohn- bzw. Einkommensteuer.

Seit dem 1. Januar 2021 ist der Soli für die große Mehrheit der Arbeitnehmer und Rentner weggefallen – durch eine deutliche Anhebung der Freigrenze.

Wer zahlt 2026 noch Soli?

Lohnsteuer pro JahrSoli-PflichtHöhe
Bis 18.130 € (Ledige)Kein Soli0 €
18.131 € – 33.912 € (Ledige)MilderungszoneGleitend 0–5,5 %
Über 33.912 € (Ledige)Voller Soli5,5 % der Lohnsteuer
Bis 36.260 € (Zusammenveranlagung)Kein Soli0 €
36.261 € – 67.824 € (Zusammenveranlagung)MilderungszoneGleitend 0–5,5 %
Über 67.824 € (Zusammenveranlagung)Voller Soli5,5 % der Lohnsteuer
💡 Was ist die Milderungszone? Die Milderungszone verhindert einen abrupten Sprung: Wer knapp über der Freigrenze liegt, zahlt nicht sofort den vollen Soli, sondern einen gleitend ansteigenden Betrag. Erst wenn das Einkommen deutlich über der Grenze liegt, wird der volle Satz von 5,5 % fällig.

Ab welchem Bruttogehalt wird Soli fällig?

Die Freigrenze bezieht sich auf die Lohnsteuer, nicht direkt auf das Bruttogehalt. Als grobe Orientierung für 2026:

SituationBruttogehalt ca.Soli
Ledig, Klasse 1bis ca. 73.000 €/JahrKein Soli
Ledig, Klasse 173.000 – 140.000 €/JahrMilderungszone
Ledig, Klasse 1über 140.000 €/JahrVoller Soli (5,5 %)
Ehepaar, Klasse 3/5bis ca. 150.000 €/Jahr (gesamt)Kein Soli

📊 Rechenbeispiel: Dr. Müller, ledig, 120.000 € Bruttojahresgehalt

Bruttogehalt120.000 €
Lohnsteuer (ca.)38.500 €
Freigrenze Lohnsteuer (Soli)18.130 €
Lohnsteuer liegt in der MilderungszoneJa
Soli (5,5 % von 38.500 €)≈ 2.118 €/Jahr
Soli pro Monat≈ 177 €

Welche Steuerklasse beeinflusst den Soli?

Da der Soli als Prozentsatz auf die Lohnsteuer berechnet wird, beeinflusst die Steuerklasse indirekt den monatlichen Soli-Betrag. In Steuerklasse 3 wird weniger Lohnsteuer einbehalten – also auch weniger Soli monatlich. In Steuerklasse 5 ist die Lohnsteuer höher – und damit auch der Soli.

Am Jahresende ist das jedoch egal: In der Steuererklärung wird der tatsächliche Soli auf Basis der Gesamteinkommensteuer berechnet – unabhängig von der Steuerklasse.

✅ Die meisten Arbeitnehmer zahlen 2026 keinen Soli Wer ein durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Gehalt bezieht, ist in der Regel vollständig vom Soli befreit. Die Freigrenze ist so hoch, dass ca. 90 % der Steuerzahler nicht betroffen sind.

Körperschaftsteuer: Unternehmen zahlen noch vollen Soli

Während für natürliche Personen (Arbeitnehmer, Selbstständige) die Freigrenze gilt, zahlen Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) weiterhin den vollen Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Körperschaftsteuer. Das war politisch umstritten, ist aber weiterhin geltendes Recht.

Zusammenfassung: Solidaritätszuschlag 2026

Häufige Fragen zum Solidaritätszuschlag

Wann wird der Soli endgültig abgeschafft?
Das ist politisch noch nicht beschlossen. Für die große Mehrheit der Steuerzahler gilt er bereits als faktisch abgeschafft. Eine vollständige Abschaffung für alle – einschließlich Unternehmen – wäre eine weitere politische Entscheidung.
Steht auf meiner Gehaltsabrechnung noch ein Soli-Betrag?
Wenn dein Arbeitgeber korrekt abrechnet und dein Gehalt unter der Freigrenze liegt, sollte dort 0,00 € oder gar kein Soli-Posten stehen. Prüfe im Zweifel deine letzte Abrechnung.
Muss ich als Freiberufler Soli zahlen?
Ja, wenn deine Einkommensteuer über der Freigrenze liegt. Freiberufler zahlen den Soli im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung – nicht monatlich, sondern als Teil der Jahressteuer oder der Vorauszahlungen.
Gilt die Freigrenze auch bei Kapitalerträgen?
Für Kapitalerträge (Dividenden, Zinsen, Kursgewinne) gilt eine eigene Abgeltungssteuer von 25 % plus 5,5 % Soli = insgesamt 26,375 % – hier greift die Freigrenze nicht. Für die Abgeltungssteuer gilt Soli immer (außer du beantragst die Günstigerprüfung in der Steuererklärung).

Wie hoch sind deine Abzüge insgesamt – mit und ohne Soli?

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